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„Kunstberatung Zürich» ist als Suchbegriff erstaunlich vieldeutig. Manche, die das tippen, suchen einen Berater. Andere wollen verstehen, was eine Kunstberatung überhaupt leistet, wenn es in Zürich doch genug Galerien und Auktionshäuser gibt. Eine dritte Gruppe vergleicht gerade Anbieter und fragt sich, worin der Unterschied wirklich liegt.
Dieser Beitrag adressiert alle drei. Er erklärt, was eine unabhängige Kunstberatung von einer Galerie und einem Auktionshaus unterscheidet, wie die Honorar-Strukturen in jedem Modell aussehen und wann sich welcher Weg für Sammler tatsächlich lohnt. Ohne Verkaufsdruck, mit dem Blick eines Beraters, der seit über drei Jahrzehnten in diesem Markt arbeitet.
Die drei Akteure im Schweizer Kunstmarkt
In der Schweiz, und besonders in Zürich, treffen Sammler in der Praxis auf drei unterschiedliche Akteure, die alle etwas mit Kunst zu tun haben, aber jeweils anders agieren.
Galerien sind Händler. Sie zeigen Künstler in einer kuratorischen Auswahl, organisieren Ausstellungen, vertreten Künstler exklusiv oder im Sekundärmarkt. Eine Galerie hat ein Sortiment und verkauft daraus. Sie erfüllt eine wichtige Funktion im Primärmarkt (frische Werke der vertretenen Künstler) und im Sekundärmarkt (Wiederverkauf älterer Werke). Beratung ist Teil ihres Verkaufs-Prozesses.
Auktionshäuser sind Vermittler. Sie nehmen Werke von Einlieferern entgegen, ordnen sie in einer Auktion und verkaufen sie an den meistbietenden Käufer. Auktionshäuser bewerten Werke, bevor sie in den Saal kommen, beraten Einlieferer zur Schätz-Reichweite und stellen die öffentliche Auktions-Infrastruktur bereit.
Unabhängige Berater sind weder Händler noch Vermittler. Sie verkaufen keine eigenen Werke und führen keine Auktionen. Ihr Geschäft ist die Begleitung von Sammlern: bei Käufen, bei Verkäufen, bei Bewertungen, bei der Strukturierung von Sammlungen und bei Liquiditäts-Themen wie Kunstdarlehen.
Diese drei Akteure schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich oft. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Werk-Wissen, sondern in der Honorar-Struktur und damit in der Interessens-Lage.
Die Provisions-Frage: wer bezahlt wem?
Wer ein Werk an einer Beratung beteiligt, sollte wissen, woher das Honorar des Beraters kommt. Hier liegt der strukturelle Unterschied zwischen den drei Akteuren:
| Akteur | Honorar-Modell | Konsequenz |
|---|---|---|
| Galerie | 30 bis 50 Prozent Provision auf den Verkaufspreis. Bezahlt vom Konsignenten oder direkt aus dem Verkauf. | Hat strukturelles Interesse, dass Sie das Werk aus ihrem Sortiment kaufen, nicht ein vergleichbares anderswo. |
| Auktionshaus | 10 bis 25 Prozent Provision vom Verkäufer. Zusätzlich Aufgeld vom Käufer, typisch 20 bis 30 Prozent. | Hat Interesse, dass Werke öffentlich versteigert werden, nicht privat gehandelt. |
| Unabhängiger Berater | Stunden- oder Pauschal-Honorar vom Mandanten. Keine Provisionen von dritter Seite. | Hat Interesse, dass die Entscheidung des Mandanten qualitativ richtig ist, unabhängig vom Verkaufsweg. |
Das ist keine Wertung. Galerien und Auktionshäuser sind seriöse Bestandteile des Marktes, und ihre Honorar-Modelle sind transparent in der Branche bekannt. Wichtig ist nur: Wer eine Bewertung von einer Galerie oder einem Auktionshaus bekommt, sollte verstehen, dass diese Bewertung in einem Verkaufs-Kontext entsteht. Eine unabhängige Beratung entsteht in einem reinen Beratungs-Kontext, weil das Honorar in keinem Fall vom Verkaufsergebnis abhängt.
Wann eine Galerie der richtige Ansprechpartner ist
Galerien sind oft der beste Weg, wenn Sie gezielt in einen Künstler oder eine kuratierte Position investieren wollen. Sie haben den direkten Künstler-Kontakt, kennen die Werk-Reihen und können oft frische Arbeiten anbieten, die nicht öffentlich gehandelt werden.
Klare Empfehlungen für die Galerie:
- Wenn Sie einen bestimmten Künstler systematisch sammeln und Zugang zu neuen Werken brauchen
- Wenn Sie ein kuratiertes Ausstellungs-Erlebnis suchen, das Werke in einen Kontext stellt
- Wenn Sie persönliche Künstler-Beziehungen aufbauen wollen, die nur über die Galerie funktionieren
Wann ein Auktionshaus der bessere Weg ist
Auktionshäuser sind der richtige Weg, wenn ein Werk in einem liquiden Markt steht und die öffentliche Bietersituation den Preis nach oben treiben kann. Sie sind besonders geeignet für etablierte Künstler mit klaren Vergleichs-Auktionsergebnissen und für Werke, die eine breite Sammler-Nachfrage haben.
Klare Empfehlungen für das Auktionshaus:
- Wenn Sie ein Werk mit klarer Marktbreite veräußern und maximale Reichweite suchen
- Wenn Sie öffentlich sichtbar verkaufen können (Diskretion ist hier nur begrenzt möglich)
- Wenn Sie als Sammler einen kalkulierbaren Auktions-Termin brauchen, an dem das Werk in jedem Fall den Besitzer wechselt
Wann ein unabhängiger Berater die bessere Wahl ist
Es gibt sechs Situationen, in denen die unabhängige Beratung strukturell besser passt als Galerie oder Auktionshaus.
Off-Market-Käufe. Werke aus Privatbesitz, von Sammlern, aus Nachlässen, die nicht öffentlich angeboten werden. Der Zugang dazu funktioniert über persönliche Beziehungen, nicht über Plattformen. Ein unabhängiger Berater bringt dieses Netzwerk mit, ohne ein eigenes Verkaufs-Interesse einzuspielen.
Vermögens-strategische Sammlungs-Entscheidungen. Wer Kunst als eigenständige Assetklasse in einer Vermögensbilanz führen will, mit Reporting, Strukturierung und langfristigem Plan, ist bei einer Galerie oder einem Auktionshaus nicht richtig adressiert. Diese Akteure denken in Werken, nicht in Vermögens-Architekturen.
Anbieterunabhängige Wertgutachten. Wer ein Wertgutachten für Versicherung, Steuer oder Bank-Sicherheit braucht, profitiert davon, dass der Gutachter kein Verkaufsinteresse hat. Eine Galerie oder ein Auktionshaus kann ein Werk bewerten, aber die Bewertung entsteht im Kontext einer möglichen Einlieferung.
Diskrete Verkäufe. Manche Werke sollen nicht öffentlich versteigert werden, sei es aus Markt-Gründen oder aus persönlichen Gründen. Ein unabhängiger Berater kann einen Privatverkauf strukturieren, der außerhalb der Auktions-Öffentlichkeit läuft.
Strukturierung in Holding oder Stiftung. Wer eine Sammlung in eine eigene Rechts- oder Steuerstruktur überführen will, braucht eine Beratung, die im Dreieck mit Anwälten, Steuerberatern und der Bank funktioniert. Galerien und Auktionshäuser sind hier in der Regel nicht vorgesehen.
Begleitung über mehrere Mandate hinweg. Eine Galerie endet beim Verkauf. Ein Auktionshaus endet beim Hammerschlag. Ein unabhängiger Berater bleibt, manchmal über Jahre, manchmal über Generationen einer Familie.
Worauf Sie bei der Auswahl eines Beraters achten sollten
Wenn klar ist, dass eine unabhängige Beratung der richtige Weg ist, lohnt es sich, mehrere Anbieter zu prüfen. Fünf Fragen helfen, einen Berater einzuordnen:
Welche Akkreditierungen haben Sie bei Banken? Eine Bank-Akkreditierung ist mehr als ein Marketing-Hinweis. Sie bedeutet, dass die Bank den Berater intern geprüft hat und seine Wertgutachten als Grundlage für eigene Entscheidungen akzeptiert. Mehrere Akkreditierungen sind ein starker Trust-Indikator.
Verkaufen Sie selbst Werke aus eigenem Bestand oder über eigene Plattformen? Die Antwort sollte ein klares Nein sein. Wer Beratung und Verkauf in einer Person vereint, hat strukturelle Interessenskonflikte.
Bekommen Sie Provisionen von dritter Seite? Manche Berater empfehlen den Verkauf über bestimmte Häuser und erhalten Vermittler-Provisionen. Das muss offengelegt werden, sonst ist die Beratung nicht wirklich unabhängig.
Wer sind Ihre typischen Mandanten? Private Sammler, Family Offices, Banken, Anwälte. Die Beschreibung gibt Aufschluss darüber, in welchen Konstellationen der Berater regelmäßig arbeitet.
Wie lange dauern Ihre Mandate im Schnitt? Ein einzelnes Wertgutachten ist ein punktuelles Mandat. Eine Sammlungs-Begleitung läuft Jahre. Wer dauerhafte Mandate führt, hat im Markt nachweislich Vertrauen aufgebaut.
Wer auf diese fünf Fragen klar und ohne Umweg antwortet, ist ein guter Kandidat für ein Erstgespräch.
Häufige Fragen
Was kostet eine Kunstberatung in Zürich? Üblich sind drei Modelle: Stundensatz für punktuelle Beratungen oder Zweitmeinungen, Pauschale für definierte Mandate (zum Beispiel ein Wertgutachten oder eine Akquisitions-Begleitung) und Retainer für laufende Sammlungs-Begleitung. Stundensätze in der Schweiz liegen typischerweise zwischen 250 und 500 Franken, abhängig von Spezialisierung. Pauschalen und Retainer werden mandats-spezifisch verhandelt.
Brauche ich überhaupt einen Berater, oder reicht ein Auktionshaus? Wenn Sie ein einzelnes, etabliertes Werk verkaufen wollen und mit einer öffentlichen Auktion zufrieden sind, reicht ein Auktionshaus. Wenn Sie eine Sammlung strategisch aufbauen, vertraulich verkaufen oder strukturieren wollen, oder wenn Sie Wertgutachten ohne Verkaufs-Kontext brauchen, ist ein unabhängiger Berater die strukturell richtige Wahl.
Wie unabhängig ist „unabhängig» wirklich? Vollständige Unabhängigkeit erkennen Sie an drei Merkmalen: keine eigenen Werke im Verkaufs-Sortiment, kein Auktions-Mandat, keine Provisionen von dritter Seite. Wenn alle drei zutreffen, ist die Beratung strukturell unabhängig.
Was ist der Unterschied zwischen einem Art Advisor und einem Kunsthändler? Ein Kunsthändler verkauft Werke aus eigenem oder konsigniertem Bestand. Ein Art Advisor verkauft nichts, er berät. Beide Berufsbezeichnungen werden in der Schweiz nicht geschützt, deshalb lohnt sich die Prüfung der Honorar-Struktur statt der Berufs-Bezeichnung.
Wann lohnt sich ein Berater nicht? Bei sehr kleinen Werten unter wenigen tausend Franken, bei einzelnen reinen Verkaufs-Mandaten, bei denen ein Auktionshaus oder eine spezialisierte Plattform schneller und günstiger ist, und bei Käufen, die rein impulsiv sein sollen. Eine gute Beratung empfiehlt sich in diesen Fällen selbst ab.
Wenn eine Beratung sinnvoll ist
Wenn Sie eine Sammlung aufbauen, verkaufen, bewerten lassen oder strukturieren möchten, ist der erste Schritt ein vertrauliches Gespräch. Wir klären gemeinsam, ob ein Mandat überhaupt der richtige Weg ist und welche Form für Ihre Situation passt. Das Gespräch ist kostenfrei und unverbindlich.
Mehr zum Beratungs-Spektrum finden Sie auf der Seite Kauf- und Verkaufsberatung und Sammlungsstrategien. Direkter Kontakt hier.

