Was kostet ein Kunstgutachten? Kostenfaktoren, Honorarmodelle und wann es sich lohnt

19. Oktober 2026

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Kurz gesagt: Was ein Kunstgutachten kostet, hängt weniger vom Wert des Werks ab als vom Aufwand: Zweck des Gutachtens, Anzahl der Objekte, Recherchetiefe, Besichtigung vor Ort und gewünschte Form. Seriöse Gutachter rechnen nach Aufwand ab, nicht in Prozent des ermittelten Werts, und nennen Ihnen vor Auftragserteilung einen verbindlichen Rahmen.

Warum es keinen Einheitspreis für ein Kunstgutachten gibt

Ein einzelnes Gemälde mit lückenloser Provenienz und vielen vergleichbaren Auktionsergebnissen ist in wenigen Stunden belastbar bewertet. Eine Erbschaft mit 80 Objekten aus fünf Sammelgebieten, teils ohne Unterlagen, braucht dagegen Wochen. Beide Aufträge heissen «Kunstgutachten», sind aber völlig unterschiedliche Arbeiten. Deshalb ist die ehrliche Antwort auf die Frage nach dem Preis: Es kommt darauf an, und zwar auf nachvollziehbare Faktoren.

Die sechs Faktoren, die den Aufwand bestimmen

  1. Zweck und Wertart. Ein Versicherungswert (Wiederbeschaffungswert) verlangt andere Recherchen als ein Verkehrswert für eine Erbteilung oder ein Steuerwert für die Behörden. Gutachten, die vor Gericht, gegenüber Steuerbehörden oder einer Bank bestehen müssen, sind ausführlicher dokumentiert.
  2. Anzahl und Art der Objekte. Eine Sammlung wird nicht einfach «pro Stück» teurer: Gleichartige Werke lassen sich effizienter bewerten als ein gemischter Bestand aus Gemälden, Uhren, Schmuck und Antiquitäten.
  3. Dokumentationslage. Liegen Rechnungen, Zertifikate, Ausstellungs- und Literaturnachweise vor, verkürzt das die Arbeit erheblich. Fehlen sie, muss die Provenienz rekonstruiert werden.
  4. Markttransparenz. Für gefragte Künstler gibt es viele vergleichbare Verkäufe. Für Nischen, Frühwerke oder regionale Künstler ist die Recherche aufwendiger.
  5. Besichtigung vor Ort. Für ein belastbares Gutachten ist die Begutachtung im Original in der Regel nötig. Reisezeit und Reisekosten werden separat ausgewiesen.
  6. Form und Sprache. Ein kurzes Wertattest ist schneller erstellt als ein ausführliches, unterschriebenes Gutachten mit Fotodokumentation, mehrsprachig und für mehrere Adressaten.

Die drei üblichen Honorarmodelle

  • Stundensatz: sinnvoll für punktuelle Bewertungen, Zweitmeinungen oder die Prüfung eines bestehenden Gutachtens.
  • Pauschale pro Werk: für kleine bis mittlere Aufträge mit klar abgegrenzten Objekten.
  • Sammlungspauschale: für grössere Bestände, etwa im Nachlass oder für eine Versicherungsaufnahme.

Wichtig ist, was nicht zur Abrechnung gehört: Ein Honorar in Prozent des ermittelten Werts schafft einen Anreiz, den Wert hoch oder tief anzusetzen. Ebenso problematisch ist ein «kostenloses» Gutachten, das an einen Verkaufsauftrag gekoppelt ist. Ein unabhängiger Gutachter erhält keine Provision aus einem späteren Verkauf und hat kein Interesse am Ergebnis.

Wann sich ein Gutachten lohnt und wann eine Ersteinschätzung genügt

Nicht jede Frage braucht ein vollständiges Gutachten. Eine mündliche oder kurze schriftliche Ersteinschätzung reicht oft, um zu entscheiden, ob ein Werk überhaupt näher untersucht werden sollte. Ein formelles Gutachten lohnt sich vor allem, wenn:

  • ein Nachlass geteilt oder für die Steuerbehörden bewertet werden muss,
  • eine Versicherung einen dokumentierten Wiederbeschaffungswert verlangt,
  • eine Bank Kunst als Sicherheit akzeptieren soll,
  • ein Verkauf ansteht und Sie einen unabhängigen Referenzwert brauchen, bevor Sie mit Galerien oder Auktionshäusern sprechen,
  • bei einer Scheidung oder unter Erben Uneinigkeit über den Wert besteht.

So vermeiden Sie unnötige Kosten

  • Klären Sie vorab den Zweck: Für welche Stelle wird das Gutachten gebraucht, und welche Wertart verlangt sie?
  • Stellen Sie vorhandene Unterlagen zusammen: Rechnungen, Zertifikate, Fotos von Rückseiten, Etiketten und Signaturen.
  • Beginnen Sie bei grösseren Beständen mit einer Inventarliste und einer Priorisierung: Oft machen wenige Werke den Grossteil des Werts aus.
  • Verlangen Sie vor dem Auftrag eine schriftliche Vereinbarung mit Umfang, Honorarmodell und Liefertermin.

Wie ich vorgehe

Im kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch (30–45 Minuten) klären wir Zweck, Wertart und Umfang. Danach erhalten Sie einen verbindlichen Rahmen für Honorar und Termin, bevor ein Auftrag entsteht. Mehr zu Wertarten und Ablauf finden Sie auf der Seite Kunstgutachten und Wertgutachten in Zürich. Für Anwälte, Willensvollstrecker und Family Offices gibt es eine eigene Übersicht: Für Berufsträger.

Häufige Fragen

Wird das Honorar nach dem Wert des Kunstwerks berechnet?

Nein. Das Honorar richtet sich nach dem Aufwand. Ein wertabhängiges Honorar würde die Unabhängigkeit des Gutachtens in Frage stellen.

Ist das Erstgespräch kostenlos?

Ja. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich. Erst danach erhalten Sie einen verbindlichen Kostenrahmen.

Kann ein Kunstgutachten nur anhand von Fotos erstellt werden?

Fotos genügen für eine erste Einschätzung. Ein belastbares Gutachten setzt in der Regel die Begutachtung im Original voraus.

Wie lange dauert ein Kunstgutachten?

Für ein einzelnes Werk meist drei bis sieben Arbeitstage ab Besichtigung, für Sammlungen von 10 bis 50 Objekten etwa zwei bis sechs Wochen.

Werden die Gutachten von Behörden und Banken akzeptiert?

Ja. Die Gutachten werden von Steuerbehörden, Versicherern und Banken anerkannt. Besondere kantonale oder institutsspezifische Anforderungen klären wir im Erstgespräch.

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Thomas Reinshagen

Thomas Reinshagen ist unabhängiger Berater für Kunst und Luxusgüter mit Sitz in Zollikon. Über drei Jahrzehnte Markterfahrung im Kunst- und Luxusgüter-Geschäft, davon mehrere Jahre als Senior Director bei Sotheby’s Zürich. Akkreditierter Berater bei diversen renommierten Finanzinstituten und Banken. Wertgutachten werden von Steuerbehörden, Versicherern und Finanzinstituten anerkannt. Eingetragen im Spear’s 500 Index der internationalen Kunst- und Vermögensberater. Eigene Sammler-Praxis in zeitgenössischer Kunst, Photographie und Uhren seit über 30 Jahren. Mehr erfahren

Thomas Reinshagen is an independent adviser for art and luxury assets based in Zollikon, Switzerland. Over three decades of market experience in the art and luxury goods business, several of them as Senior Director at Sotheby’s Zurich. Accredited adviser to several reputable financial institutions and banks. Valuations are recognized by tax authorities, insurers and financial institutions. Listed in the Spear’s 500 index of international art and wealth advisers. Own collector practice in contemporary art, photography and watches for over 30 years. Learn more