Sammlung verkaufen: Off-Market, Privatverkauf oder Auktion?

29. September 2026

Lesezeit: ca. 9 Minuten

Wer eine Sammlung oder ein einzelnes bedeutendes Werk verkaufen will, hört meist zuerst von einem Auktionshaus. Das ist verständlich: Auktionen sind sichtbar, ihre Ergebnisse werden publiziert, und die grossen Häuser haben Spezialisten für fast jedes Sammelgebiet. Aber die Auktion ist nur einer von drei Wegen, und für viele Situationen nicht der beste. Dieser Beitrag vergleicht Auktion, Privatverkauf und Off-Market-Verkauf entlang der Fragen, die für den Verkäufer wirklich zählen: Preis, Diskretion, Zeit, Risiko und Kosten.

Die drei Wege im Überblick

Auktion. Das Werk wird öffentlich angeboten, mit Katalog, Schätzpreis und Vorbesichtigung. Der Preis bildet sich im Wettbewerb der Bieter an einem festen Termin. Das Auktionshaus verdient an Verkäufer und Käufer.

Privatverkauf über Händler oder Galerie. Das Werk wird einem Händler in Kommission gegeben oder direkt an ihn verkauft. Der Händler bietet es seiner Kundschaft an, meist mit Aufschlag. Der Verkäufer erfährt selten, zu welchem Preis das Werk am Ende den Besitzer wechselt.

Off-Market-Verkauf. Das Werk wird gezielt einer kleinen Zahl vorab identifizierter Sammler, Stiftungen oder Institutionen angeboten, ohne Katalog, ohne Publikation, ohne öffentliche Spur. Ein unabhängiger Berater strukturiert den Prozess auf Seiten des Verkäufers und hält Preis und Bedingungen transparent.

Preis: Wettbewerb gegen Verhandlung

Das stärkste Argument für die Auktion ist der Bieterwettbewerb. Wenn zwei entschlossene Käufer im Saal oder am Telefon sind, entstehen Preise, die kein Privatverkauf erreicht. Das gilt für gesuchte Namen in gefragten Werkphasen, mit guter Provenienz und frischem Marktauftritt.

Das Argument kippt, wenn der Wettbewerb ausbleibt. Bleibt ein Werk unverkauft, ist es «verbrannt»: Der Markt hat gesehen, dass es niemand wollte, und beim nächsten Versuch wird der Preis niedriger sein. Beim Off-Market-Verkauf gibt es dieses Risiko nicht, weil nichts öffentlich wird. Der Preis entsteht in der Verhandlung mit dem einen richtigen Käufer, oft auf Basis eines unabhängigen Gutachtens, das beide Seiten akzeptieren.

Diskretion: Wer erfahren darf, dass Sie verkaufen

Eine Auktion ist per Definition öffentlich. Nachbarn, Geschäftspartner und Familie können im Katalog lesen, was aus welchem Haus zum Verkauf steht. Für Unternehmerfamilien, für Nachlässe mit uneinigen Erben, für Scheidungen und für alle, die Kapital freisetzen, ohne dass es jemand merken soll, ist das ein echtes Problem.

Der Off-Market-Verkauf wurde für genau diese Fälle entwickelt. Der Kreis der Angesprochenen ist klein und bekannt, Interessenten unterzeichnen Vertraulichkeitsvereinbarungen, und der Verkäufer entscheidet, wem das Werk überhaupt gezeigt wird.

Zeit: Termine gegen Prozesse

Auktionen folgen einem Kalender. Zwischen Einlieferung und Auszahlung liegen häufig mehrere Monate, und wer den Termin verpasst, wartet auf die nächste passende Saison. Dafür ist der Ablauf klar und das Ergebnis am Auktionstag bekannt.

Off-Market-Verkäufe sind flexibler, aber nicht automatisch schneller. Der richtige Käufer für ein bedeutendes Werk ist selten in zwei Wochen gefunden. Dafür lässt sich der Prozess bei Bedarf beschleunigen oder anhalten, ohne dass ein Rückzug öffentlich wird.

Kosten: Was vom Erlös übrig bleibt

Bei der Auktion fallen Verkäuferkommission, Versicherung, Katalog-, Transport- und gegebenenfalls Restaurierungskosten an; auf Käuferseite kommt das Aufgeld hinzu, das den Bietwillen dämpft. Beim Händlerverkauf bleibt die Marge des Händlers für den Verkäufer meist unsichtbar. Beim Off-Market-Verkauf mit einem unabhängigen Berater zahlt der Verkäufer ein Honorar nach Aufwand, das im Voraus vereinbart wird; der Berater nimmt keine Provision von der Gegenseite und hat kein eigenes Verkaufsinteresse.

Welcher Weg netto besser abschneidet, hängt vom Werk, vom Markt und vom Zeitpunkt ab. Deshalb beginnt jeder seriöse Verkaufsprozess mit einer unabhängigen Bewertung, nicht mit einer Einlieferung.

Welche Werke wohin gehören

  • Auktion: gesuchte Künstler in gefragten Werkphasen, Werke mit dokumentierter Provenienz, Objekte in mittleren Preislagen, bei denen der Aufwand eines Off-Market-Prozesses sich nicht lohnt, und Konvolute, die in einer Sitzung abgewickelt werden sollen.
  • Privatverkauf über den Handel: Werke, für die ein bestimmter Händler nachweislich die richtige Kundschaft hat, und Situationen, in denen ein schneller Direktverkauf wichtiger ist als der letzte Franken.
  • Off-Market: bedeutende Einzelwerke, ganze Sammlungen, Nachlässe mit Diskretionsbedarf, Werke, die schon einmal unverkauft geblieben sind, und alle Fälle, in denen der Verkäufer die Kontrolle über Preis, Käufer und Öffentlichkeit behalten will.

Wie ein Off-Market-Verkauf konkret abläuft

Am Anfang steht die Sichtung: Zustand, Provenienz, Literatur, Marktvergleich. Daraus entsteht ein Gutachten mit einem realistischen Preisrahmen. Dann wird ein kurzer Kreis möglicher Käufer definiert, mit dem Verkäufer abgestimmt und diskret angesprochen. Interessenten erhalten Unterlagen erst nach Vertraulichkeitsvereinbarung, Besichtigungen finden an neutralem Ort statt. Die Verhandlung führt der Berater im Auftrag des Verkäufers; Vertrag, Zahlung über ein Treuhandkonto, Transport und Versicherung werden mit den Fachleuten des Verkäufers abgestimmt. Der Berater tritt zu keinem Zeitpunkt selbst als Käufer, Händler oder Einlieferer auf.

Mehr zu diesem Angebot: Private Sales und Erwerb. Wenn der Verkauf aus einem Nachlass heraus erfolgt, lohnt sich vorab der Beitrag Kunst im Nachlass: Was Willensvollstrecker und Erben zuerst klären sollten. Und wer Liquidität braucht, aber nicht verkaufen will, findet die Alternative unter Kunst beleihen.

Für ein vertrauliches Gespräch über ein konkretes Werk oder eine Sammlung genügt eine kurze Anfrage.

Thomas Reinshagen

Thomas Reinshagen ist unabhängiger Berater für Kunst und Luxusgüter mit Sitz in Zollikon. Über drei Jahrzehnte Markterfahrung im Kunst- und Luxusgüter-Geschäft, davon mehrere Jahre als Senior Director bei Sotheby’s Zürich. Akkreditierter Berater bei diversen renommierten Finanzinstituten und Banken. Wertgutachten werden von Steuerbehörden, Versicherern und Finanzinstituten anerkannt. Eingetragen im Spear’s 500 Index der internationalen Kunst- und Vermögensberater. Eigene Sammler-Praxis in zeitgenössischer Kunst, Photographie und Uhren seit über 30 Jahren. Mehr erfahren

Thomas Reinshagen is an independent adviser for art and luxury assets based in Zollikon, Switzerland. Over three decades of market experience in the art and luxury goods business, several of them as Senior Director at Sotheby’s Zurich. Accredited adviser to several reputable financial institutions and banks. Valuations are recognized by tax authorities, insurers and financial institutions. Listed in the Spear’s 500 index of international art and wealth advisers. Own collector practice in contemporary art, photography and watches for over 30 years. Learn more